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Mit angehaltenem Atem durch die Finanzkrise
13.11.2008 |
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Fundraiser stellen sich auf harte Zeiten ein
Kaum ein Fundraiser kann sagen, dass die anhaltende Finanzkrise in der Weltwirtschaft keine Auswirkungen auf die Einahmen seiner Organisation hätte. Sinkende Bankzinsen, Entwertung von Anlagepapieren, wirtschaftliche Schwierigkeiten bisher großzügiger Firmen, Entwertung von Liegenschaften treffen alle. Natürlich können sich Börsenkurse wieder erholen und Liegenschaften ihre alten Werte zurückgewinnen. Wer aber nicht warten kann und jetzt gezwungen ist, Rücklagen aufzulösen und Grundstücke zu verkaufen, hat gelitten. Hinzu kommt, dass angesichts der Finanzkrise Projekte im In- und Ausland akut gefährdet sind und nur mit zusätzlichen Finanzspritzen gerettet werden können, die in den Budgets der Geberorganisationen nicht eingeplant sind.
Wenig rosig sehen viele Fundraiser in Deutschland die Einnahmen zu Weihnachten und danach. Auch wenn viele hoffen, dass der Kelch der gefühlten und tatsächlichen Rezession an Deutschland vorübergeht, gibt es auch Stimmen, die schlimme Zeiten erwarten. Eine Umfrage unter 100 führenden Fundraisern der Welt beim International Fundraising Congress Mitte Oktober im niederländischen Noordwijkerhout zeigt, dass europäische und nordamerikanische Fundraiser sich zwar optimistisch geben, aber schlechte Zeiten für das Mäzenatentum von Kunst und Kultur, Entwicklungshilfe und Tierschutz vorhersagen, dagegen kinderbezogenen Zwecken, Katastrophenhilfe, Gesundheits- und religiösen Zwecken gute Chancen geben, mit leichteren Blessuren davonzukommen.
Der Deutsche Fundraising Verband bekam nur wenige Reaktionen auf eine Umfrage nach gegenwärtigen und möglichen künftigen Auswirkungen der Finanzkrise aufs Fundraising der Organisationen, für die unsere Mitglieder arbeiten. Doch die Antworten sind aufschlussreich.
„Deutlich weniger Response in der Neuspendergewinnung“, registrierte etwa ein führender Dienstleister. „Wir gehen generell davon aus, dass die Spendenbereitschaft zurückgehen wird“, berichtet der Fundraiser eines Hilfswerks. „Die Krise verunsichert, es wird Halt gesucht. Den können wir verbunden mit Stabilität, Vertrauen und Kontinuität bieten. So denke ich, dass die Spenden gleich bleiben werden oder noch eher steigen“, hofft ein anderer. Eine freie Fundraising-Beraterin erlebte ein Desaster beim Abholen zugesagter Bankspenden: „Es war eine meiner schlimmsten Wochen als Fundraiserin.“ Ein Sponsoring-Partner aus der Automobilindustrie hat sein Sponsoring, das im Mai noch positiv bestätigt war, zurückgezogen. Auch Stiftungsgelder fließen möglicherweise nicht mehr so reichlich. Direkte Auswirkungen spüren Organisationen bereits bei Vergabestiftungen, deren Ausschüttungen unmittelbar mit dem Kapitalertrag verknüpft sind.
Fest steht für einige Befragte:
• Die Finanzkrise bietet eine elegante Entschuldigungsmöglichkeit, sich zurückzuziehen.
• Die allgemeine Verunsicherung führt zu einer abwartenden Haltung bzw. generellen Inaktivität.
• Wir stehen erst am Anfang der Finanzkrise. Pensionsfonds und Kreditkartengeschäft sind wahrscheinlich die nächsten Blasen, die platzen könnten. Und damit wird Otto Normalverbraucher viel stärker betroffen sein, als jetzt.
Und was raten sie zu tun?
• Kein Festival oder Kultur-Event darf sich ausschließlich auf Sponsoring stützen. Vom Anbieten vieler kleiner Sponsoring-Pakete statt der bisherigen großen wird dringend abgeraten. Sie nehmen sich gegenseitig die Aufmerksamkeit weg.
• Die Akquise von Stiftungsgeldern und Förderprogrammen wird zukünftig einen breiteren Raum einnehmen. Initiative starten zur Stiftungsgründung.
• Hektische Betriebsamkeit im Marketing wäre unangebracht – und die Richtung unklar.
Drastische Spendenrückgänge in Österreich
Wegen der hohen Teuerungsraten bei Energie und Lebensmitteln, der Angst der Menschen vor einer Rezession und der Krise an den Finanzmärkten sind die Spendeneinnahmen der Nonprofit-Organisationen in Österreich in diesem Jahr stark zurückgegangen. Dies geht aus einer Stellungnahme des Fundraising Verbands Austria zur erneut verschobenen steuerlichen Absetzbarkeit von Spenden hervor. Manche Vereine verzeichneten ein Minus von bis zu zehn Prozent. Gleichzeitig steige aber bei sozialen Hilfsorganisationen wie der Caritas oder der Diakonie die Zahl der Menschen an, die um Unterstützung bitten.
Fundraising nicht einstellen, sondern ausweiten
Die beim International Fundraising Congress in Noordwijkerhout befragten Fundraising-Experten sind einhellig der Auffassung, dass Fundraising angesichts der Rezession nicht heruntergefahren werden darf, sondern gerade jetzt versuchen muss, Einnahmen zu erhalten und Marktanteile auszubauen. Die Ergebnisse der Umfrage sind unter www.managementcentre.co.uk abzurufen.
Um die internationale Diskussion über die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise auf das Fundraising zu beflügeln, schuf der australische Fundraising-Berater Sean Triner auf dem Kongress in Noordwijkerhout einen „recessionwatch blog“, in den sich jeder ernsthafte Diskutant einschalten kann: recessionwatch.blogspot.com. Unter US-amerikanischen Fundraisern wird in zahlreichen Blogs diskutiert, etwa über die Frage „A Multi-Year Drop in Giving Ahead?“ bei philanthropy.com/giveandtake/.
Die Association of Fundraising Professionals bietet einen „Survival Kit for Fundraising in Bad Economy“ an, der aus zahlreichen Buchveröffentlichungen besteht, wie man sich in Zeiten der Rezession verhalten soll, abrufbar unter www.afpnet.org.
Klar ist, dass in den USA jetzt besonders viele Spendenzusagen platzen, die von vermeintlich reichen Haus- und Grundstücksbesitzern und von Börsenmaklern kamen. Letzteres trifft besonders Kultur und Kunst, als deren Mäzene sich die Großverdiener feiern ließen. Die Banken- und Versicherungspleiten lassen Hoffnungen von Museen und Galerien auf zugesagte Gelder in den Wolken verschwinden. Das Pleite gegangene Bankhaus Lehman Brothers hatte zu den großen Mäzenen gehört, ebenso die Großbank Wachovia oder die Citigroup Foundation.
Direkt getroffen wurden Charities in den USA auch durch starke Kursverluste, denn Rücklagen wurden dort oft risikoreich angelegt, selbst die von Stiftungen, um hohe Gewinne abzuwerfen. In Großbritannien legten besonders viele Hilfsorganisationen Termingelder bei isländischen Banken an, für die es keine britischen Staatsgarantien gibt. Schätzungen liegen bei 120 Millionen Pfund, rund 180 Millionen Euro, die britischen NPOs dadurch verloren gegangen sein könnten. Auch der Charity-Glamour auf der Insel muss in diesem Jahr kürzer treten. Zahlreiche Benefizbälle sind der Rezession zum Opfer gefallen.
Christoph Müllerleile
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